Falco-Musical in Kiel

(Text/Foto: Julia und Andreas Lass) Was bleibt ist die Erinnerung an einen genialen Künstler, der seiner Zeit voraus war. Der Rest ist Popgeschichte.

Falco - Das Musical in Gedenken an einen Ausnahmekünstler, der vor allem in den 80iger Jahren bewiesen hat, dass deutschsprachiger POP/RAP salonfähig ist, war am 09. April in der Kieler Sparkassen-Arena zu Gast. In diesem Jahr am 19.02. wäre die Legende 61 Jahre alt geworden.
<<Hans Hölzel, so lautet sein bürgerlicher Name, wuchs in Wien auf und seine Kindheit war zum einen geprägt von der Musik und zum anderen von großer Angst, da er schon früh miterlebt hat, dass seine Eltern sich streiten. Später verließ sein Vater die Familie und der damals noch junge Hans erfuhr von seiner Mutter, dass er „eigentlich“ noch zwei Geschwister hatte. Er ist der einzige „Drilling“, der überlebt hat, während seine Geschwister noch vor der Geburt gestorben sind. Er ging nicht gern zur Schule, widmete sich viel mehr der Musik und hatte schon früh eine Band. Als ihm die zündende Idee kam, unter eigenem Künstlernamen und mit seinen selbst komponierten Songs in der Künstlerbranche Fuß zu fassen, so war dies der erste Schritt einer Erfolgsgeschichte, die jedoch auch ihre Abgründe hatte. Immer wieder wünscht Falco sich nichts sehnlicher, als ein bodenständiges Leben, als Ehemann und Vater. Dieser Wunsch blieb ihm verwehrt und so beendete er sein Leben am 08.02.1998, als er in der Dominikanischen Republik mit seinem Wagen einen Bus rammte.>>
Zu Beginn sehen die Zuschauer eine Original-Videosequenz aus einem Interview, bevor das biographische Musical beginnt. Falco - Das Musical erzählt die Lebensgeschichte der exzentrischen und legendären Pop-Ikone mit seinen Höhen und Tiefen, wobei die einzelnen Schritte bis hin zu seiner Selbstzerstörung deutlich werden. Sein Kampf, berühmt und erfolgreich zu werden, hatte auch stets seine Schattenseiten, die hervorragend herausgearbeitet wurden. Als er auf dem Zenit seines Erfolgs angekommen ist und sein Manager triumphiert, ist Falco selbst schon fast am Boden zerstört.
Rock me Amadeus war der Song, der ihn in den USA auf Platz 1 der Billboard Charts brachte, es folgte eine Welttournee. Falco sah jedoch bereits die Apokalypse: Von nun an kann es nur noch bergab gehen. Schon damals spielte er mit dem Gedanken, zu sterben, wie James Dean.
In jeder Szene ist die Spielfreude aller Darsteller, insbesondere des Falco Darstellers zu erleben, der sich scheinbar mit seiner Rolle identifiziert und sehr authentisch wirkt. Hilfreich ist dabei sicherlich, dass Falcos ehemaliger Bandleader Thomas Rabitsch als musikalischer Leiter und zusätzlich sein damaliger Manager und Freund Horst Bork als Berater bei der
Umsetzung zur Verfügung stehen.
Kunstvoll arrangierte Projektionen sowie wiederholt Original Videosequenzen, wie vom berühmten Opernball oder vom Wiener Donaufestival, dort hat Falco bei Gewitterregen gespielt, werden gezeigt. In einer Szene wird seine Mutter eingespielt, die sich Sorgen um seinen Gesundheitszustand macht. Zu ihr hatte der Künstler ein besonders inniges Verhältnis. In diesen Einspielungen werden noch nie dagewesene Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt gezeigt, was verständlich macht, wie er in Phasen, in denen Schreibblockaden
herrschten oder der Erfolg ausblieb, er sich mehr und mehr exzessiv dem Alkohol- und Drogenkonsum hingab. Die Musik, die Akustik sowie die Band, alles war in sich stimmig, die Spielfreude war erlebbar und von Authentizität geprägt. Die Tänzer stechen mit ihren extravaganten, schrillen Tanzeinlagen hervor. Das Bühnenbild wechselt zu jeder Szene, jedem Song und ist stets farblich und akustisch passend. Es gibt zahlreiche Kostüm- und Perückenwechsel, die passend zu den jeweiligen vorherrschenden Farben der einzelnen Szenen auf der Bühne, sowohl zum Hintergrund als auch zum jeweiligen Song abgestimmt sind.
Seine Songs, wie Der Kommissar, Egoist, Rock Me Amadeus, Jeanny, Out oft he dark, um nur einige zu nennen, durften keinesfalls fehlen und sie wurden passend in seine Lebensgeschichte integriert. So sang Alexander Kerbst in der Rolle der exzentrischen Pop-Ikone im langen schwarzen Ledermantel Falcos ersten Nummer-eins-Hit "Der Kommissar" und trat als
Mozart-Punker mit "Rock me Amadeus" auf. Mit seiner typischen schwarzer Sonnenbrille sowie im weißen Hemd und schwarzem Anzug und den typischen Falco Gesten, überzeugt Alexander Kerbst durch starke Authentizität in seiner Rolle.
Wer sich auf die Story einlässt, fühlt sich als Teil der Geschichte, freut sich für Falco und leidet mit ihm.
Life is not what it seems, immer wieder ist in seinen Texten der Bezug zu seinem eigenen Dasein erlebbar. Falco, der Mensch, der sich hinter der schillernden Pop-Ikone versteckte, war ein sehr emotionaler Mensch, von tiefen Gefühlen geplagt, in einer kalten Welt, ständig suchend nach Anerkennung und Erfolg. Dabei wünschte er sich nichts so sehr wie ein normales Leben mit seiner Frau Isabella und seiner Tochter, die, wie sich kurz vor seinem Tod herausstellte, nicht seine leibliche Tochter ist. Er war innerlich sehr zerrissen und nicht der selbstsichere Mensch, für den die meisten seiner Fans ihn gehalten haben.
21 Jahre nach seinem Tod ist Falco wieder da, kein bisschen leise, sondern bildgewaltig und verrückt. Die ca. 800 Fans in der Kieler Sparkassen-Arena feierten Falco mit stehenden Ovationen, lautem Applaus und immer wiederkehrendem Verlangen nach noch einer Zugabe, die das Ensemble gern gegeben hat. Vielleicht versteckt sich hier auch die Antwort auf seine
Frage, die er sich sehr früh stellte: „Muss ich erst sterben um zu leben?